Rodlerin kehrt zurück - Nach der Sperre einfach wieder die Freude finden

Tirolerin Egle kehrt nach Sperre in den Rodelsport zurück

Die Rodlerin Madeleine Egle darf ab dem 1. September wieder am Mannschaftstraining teilnehmen. Die Tirolerin war zuvor für 20 Monate gesperrt worden, nachdem sie bei drei unangemeldeten Dopingkontrollen im Jahr 2023 nicht angetroffen wurde. Diese Sperre führte dazu, dass sie die Olympischen Spiele verpasste.

Die Strafe, die rückwirkend vom 1. März 2025 bis zum 31. Oktober 2026 galt, traf Egle hart. Sie beschrieb die Phase nach der Verkündung der Strafe als eine Zeit, in der für sie eine Welt zusammenbrach. Das Ausmaß der Strafe zu akzeptieren und die Konsequenzen zu verarbeiten, sei schwierig gewesen. In dieser Zeit habe sie zunächst Abstand vom Leistungssport gesucht.

Abstand und Neuorientierung während der Sperre

Während ihrer Zwangspause konzentrierte sich Egle auf ihre persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Sie schloss im März ihr Bachelor-Studium ab und sammelte berufliche Erfahrungen an der Universität Innsbruck. Diese neuen Herausforderungen, andere Freundeskreise und der Abstand zum Leistungssport halfen ihr, Klarheit in ihre Gedanken und Pläne zu bringen.

Egle betonte, dass der Entschluss zur Rückkehr in den Spitzensport nicht spontan erfolgte, sondern über mehrere Monate hinweg reifte. Sie möchte erneut angreifen und sportlich erfolgreich sein. Trotz ihrer Ambitionen erwartet sie bei ihrer Rückkehr noch keine Wunderdinge, da ihr letztes Rennen im Februar 2025 stattfand. Sie rechnet mit einer Phase, die Geduld erfordern wird.

Madeleine Egle will wieder Spaß am Rodeln haben.
Madeleine Egle will wieder Spaß am Rodeln haben. Credit: krone.at

Die Europameisterin von 2024 nutzte die Zeit auch, um sich die Frage zu stellen, ob sie im Tief verharren oder ihr Leben aktiv gestalten wolle. Sie überwand depressive Phasen, indem sie neue Routinen in ihr Leben integrierte, wie zum Beispiel das Training in der Kraftkammer und eine Tätigkeit als Kellnerin. Diese Routinen, die sie aus ihrer Zeit als Sportlerin kannte, halfen ihr, aus dem Tief herauszukommen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war der Kontakt zu Menschen außerhalb des Sports. Egle lernte Personen kennen, die nicht Teil der Sport-Bubble waren, was ihr half, als Madeleine und nicht nur als Rodlerin wahrgenommen zu werden. Dies war besonders wichtig, da sie sich anfangs abgekapselt hatte und soziale Kontakte meiden wollte.

Vorbereitung auf die Rückkehr und zukünftige Ziele

Aktuell bereitet sich Egle mit einem individuellen Programm auf ihre Rückkehr vor. Ab dem 1. September 2026 darf die 16-fache Weltcup-Siegerin wieder gemeinsam mit dem ÖRV-Team trainieren. Der Cheftrainer Christian Eigentler blickt dem Comeback mit Vorfreude entgegen. Er beschreibt Egle als eine sehr zielstrebige und konsequent arbeitende Athletin und ist zuversichtlich, dass sie wieder erfolgreich sein wird, sobald sie sich am Schlitten und im Wettkampfumfeld wohlfühlt.

Egle hat in der Zwischenzeit drei Dopingkontrollen innerhalb eines Monats erlebt, darunter eine im Urlaub in Portugal. Sie hat das Gefühl, häufiger kontrolliert zu werden, betont aber, nichts zu verbergen zu haben. Dennoch bleibt die Angst, dass die Kontrolleure sie erneut nicht antreffen könnten.

Kunstbahnrodlerin Madeleine Egle fasst eine Dopingsperre aus und verpasst Olympia.
Kunstbahnrodlerin Madeleine Egle fasst eine Dopingsperre aus und verpasst Olympia. Credit: kurier.at

Der Weltcup-Winter 2026/2027 beginnt am letzten November-Wochenende in Winterberg, Deutschland, und umfasst neun Stationen in sieben Ländern. La Plagne kehrt in den Weltcup zurück, und im Februar steht die WM in Innsbruck/Igls auf dem Programm. Egle möchte selbst entscheiden, wann sie ihre Karriere beendet, und nicht durch ein Urteil oder eine Sperre dazu gezwungen werden. Sollte sie die Qualifikation für das Team nicht schaffen, wäre sie bereit, dies zu akzeptieren.

Egle war während der Sperre auch bei den Winterspielen in Cortina, um ihre Schwester Selina anzufeuern. Dies sei emotional sehr schwierig gewesen, da Cortina ihr großes Ziel gewesen sei. Sie fuhr ihrer Schwester zuliebe dorthin, was sie emotional sehr mitgenommen habe.

Die Sperre hatte auch zur Folge, dass Egle ihren Status als Heeressportlerin verlor, was zu Existenz- und Zukunftsängsten führte. Sie ist dankbar, noch zu Hause wohnen zu können und erhält finanzielle Unterstützung vom Rodelverband, da staatliche Förderungen aufgrund der Sperre wegfallen.

Egle ist momentan vier Mal pro Woche in der Kraftkammer, obwohl ihr die rodelspezifischen Trainingseinheiten fehlen, bis sie im September wieder mit dem Team trainieren darf.

Source: krone.at