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Armut in Österreich: 361.000 Menschen sind trotz Vollzeitarbeit betroffen

In Österreich gelten 361.000 Personen als „Working Poor“, obwohl sie Vollzeit arbeiten. Diese Zahl widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Arbeit vor Armut schützt.

Die Armutsgrenze liegt bei 1.800 Euro netto im Monat. Mehr als die Hälfte der „Working Poor“ arbeitet in Vollzeit, doch viele können mit ihrem Einkommen nicht über die Runden kommen.

Besonders betroffen sind Haushalte mit Kindern und Alleinerziehende. Martin Schenk von der Arbeiterkammer sagte: „Das Problem der ‚Working Poor‘ sei nicht, dass sie mit ihrem Geld nicht haushalten könnten, sondern dass es ihnen schlicht nicht möglich ist, mit ihrem kleinen Einkommen existenzielle Alltagsbedürfnisse zu decken.“

Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft sind mehr als doppelt so oft von Erwerbsarmut betroffen. Die Lebenshaltungskosten sind massiv gestiegen, insbesondere bei Wohnkosten.

Ein Einpersonenhaushalt benötigt derzeit rund 1.787 Euro monatlich für grundlegende Ausgaben. Politische Maßnahmen wie höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung verschärfen die Situation der „Working Poor“.

Die Zahl der „Working Poor“ wächst in Österreich und stellt die Vorstellung in Frage, dass Arbeit Sicherheit bietet. Martin Schenk betont: „‚Working Poor‘ würden nicht in das ‚klassische Bild‘ fallen, das man von Armut habe.“

Armut ist kein individuelles Versagen, sondern Ergebnis struktureller Ungleichheit und wird durch den Kapitalismus und die Eigentumsverhältnisse hervorgebracht.