Fußball: Causa Infantino als Schatten über Salzburg - sport.ORF.at

Salzburg: Supercup-Sieg für PSG überschattet von FIFA-Machtkampf

PSG gewinnt Supercup in Salzburg

Paris Saint-Germain hat in Salzburg den UEFA-Supercup zum zweiten Mal in Folge gewonnen. Im Spiel gegen Aston Villa setzte sich das französische Team mit 2:1 (1:1) durch. Das Match fand vor 27.681 Zuschauern in Wals-Siezenheim statt. Dieser Sieg markierte das 13. Mal in den jüngsten 14 Auflagen des Wettbewerbs, dass der Sieger der Champions League gegen den Gewinner der Europa League triumphierte.

Die Tore für Paris Saint-Germain erzielten Khvicha Kvaratskhelia in der 20. Minute und Desire Doue in der 61. Minute. Aston Villa konnte durch einen Treffer des 17-jährigen Stürmers Brian Madjo in der 45. Minute ausgleichen. Trotz eines Chancenübergewichts für die Engländer blieb es beim Sieg für PSG. Für Aston-Villa-Trainer Unai Emery war dies die vierte Niederlage in einem europäischen Supercup.

Trainer Luis Enrique von PSG ließ zu Beginn des Spiels einige Spieler, die erst kurz zuvor ins Training eingestiegen waren, auf der Bank. Dazu gehörten Ousmane Dembélé, Bradley Barcola, Lucas Hernandez und Fabian Ruiz. Trotz kürzerer Vorbereitungszeit standen Achraf Hakimi, Doué und Warren Zaire-Emery von Beginn an auf dem Platz. Auch Maghnes Akliouche, der von Monaco kam, erhielt eine Chance im Angriff.

Das Spiel war von Beginn an lebhaft, wobei Aston Villa besser in die Partie fand. Die Franzosen kämpften sich jedoch ins Spiel und konnten sich auf die Leistungen von Kvaratskhelia verlassen, der die Führung erzielte. Aston Villa drängte vehement auf den Ausgleich, und Madjo vergab mehrere Chancen, bevor er kurz vor der Halbzeit den Ausgleichstreffer erzielte. In der zweiten Hälfte legten die Franzosen erneut vor, als Doué nach Vorarbeit von Dembélé traf. Der Treffer wurde nach einer VAR-Überprüfung gegeben.

Der Supercup war nicht nur im Stadion, sondern auch im Stadtzentrum von Salzburg ein großes Ereignis. Zahlreiche Fans beider Teams versammelten sich am Residenzplatz, wo ein Fanfestival stattfand. Dort konnten sich Fans unter anderem mit den Trophäen der Champions League, Europa League und des Supercups fotografieren lassen.

Krisengipfel der UEFA in Salzburg

Abseits des Spielfelds wurde der Supercup von einem Treffen ranghoher Fußballfunktionäre überschattet. Berichten zufolge trafen sich UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und andere Funktionäre, darunter PSG-Chef Nasser al-Chelaifi, zu einem Krisengipfel in Salzburg. Der englische „Guardian“ hatte berichtet, dass die UEFA mit Verbündeten aus Asien (AFC) sowie Nord- und Mittelamerika (CONCACAF) an einem „Grundsatzpapier“ für einen neuen Weltverband arbeiten soll.

Offizielle Informationen zu diesem Treffen gab es zunächst nicht, und niemand äußerte sich öffentlich dazu. Čeferin erklärte vor Spielbeginn lediglich, man sei „hier, um den Fußball zu schützen“. Auch PSG-Boss Chelaifi äußerte sich knapp zu Spekulationen über eine mögliche FIFA-Präsidentschaft und betonte, er sei Präsident von Paris Saint-Germain und glücklich, dies auch weiterhin zu sein.

Die Kritik an FIFA-Chef Gianni Infantino hat sich in den letzten Wochen verstärkt. Die Dachverbände Europas, Asiens sowie Nord- und Mittelamerikas und der Karibik warfen ihm im Zusammenhang mit einem Investorendeal „Täuschung“ vor. Es stehen sogar „Konkurrenzturniere“ im Raum. Für Čeferin und seine Verbündeten scheint ein Neuanfang an der Spitze des Weltverbandes unumgänglich, wobei die Frage nach dem „Wie“ im Vordergrund steht. Diese Themen wurden in Salzburg persönlich besprochen.

Es wird spekuliert, dass es möglicherweise nicht ausreicht, Infantino von der Spitze des Weltverbandes zu verdrängen, sondern dass eine unter UEFA-Leitung stehende Gruppe sogar neue, zur FIFA in Konkurrenz stehende Turniermöglichkeiten prüft. Ob diese Drohungen tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Die nächsten Wochen werden weitere Entwicklungen zeigen.

Die U20-WM der Frauen findet im September in Polen statt, und ein Boykott eines in Europa stattfindenden FIFA-Events ist für viele kaum vorstellbar. Zuvor könnten Čeferin und seine Kollegen jedoch bei der Auslosung der Champions League in Monaco ihre Strategie schärfen, wenn sich traditionell alle ranghohen Funktionäre Europas zum Kick-off treffen.

Die UEFA sieht sich in einer starken Position, da sie die besten Mannschaften in ihren Reihen hat und Wettbewerbe wie die Champions League veranstaltet. Die FIFA hingegen kann hauptsächlich die Weltmeisterschaft vorweisen, die in Nordamerika einen Umsatz von geschätzten 15 Milliarden Dollar erzielt haben soll. Der Supercup in Salzburg, obwohl nicht der wichtigste Wettbewerb, brachte geschätzte 50.000 Fans in zwei Tagen in die Salzburger Altstadt. „Es war ein tolles Event, es hat alles zusammengepasst, egal ob in der Stadt oder im Stadion“, sagte „Bullen“-Geschäftsführer Stephan Reiter nach dem siebten UEFA-Finalspiel in Österreich, dem ersten Supercup und dem ersten überhaupt in Salzburg.

Source: sport.orf.at