In fremden händen: Ein enttäuschender Thriller über Manipulation im Alter
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In fremden händen: Ein enttäuschender Thriller über Manipulation im Alter
Die Rezensenten
Eine betagte Dame nähert sich einem zunehmend hilfsbedürftigen älteren Herrn: Ein Film, der mehr an eine Broschüre zum Vermögensschutz erinnert als an einen Thriller. Die Handlung dreht sich um Karola und Wolfgangs Beziehung.
Beziehung zwischen Karola und Wolfgang
Die Darsteller von „In fremden Händen“ sind Désirée Nosbusch, die die Rolle der Karola spielt, Robert Hunger-Bühler, Picco von Groote, Bettina Burchard, Peter Ketnath und Lilo Hollinger.
Bearbeitung: Kai Schröter
Musik: Vera Maria Weber
Kritik am deutschen Fernsehfilm
Fotograf: Armin Dierolf
Regie und Drehbuch: Christian Bach Christian Bach
Dem deutschen Fernsehfilm kann man vieles ankreiden – Trägheit, übermäßigen didaktischen Eifer, eine Vorliebe für beige Wohnzimmer. Doch selten vereinen sich diese Eigenschaften so unangenehm wie in «In fremden Händen», einem Thriller, der das Wort „fremd“ offensichtlich als ästhetisches Konzept interpretiert: Denn hier bleibt einem vor allem jede Art von Spannung fremd. Die Grundidee ist so alt wie das Nachmittagsprogramm: Ein wohlhabender Witwer verliebt sich im Alter in eine geheimnisvolle Frau. Die Töchter sind skeptisch. Hat sie es auf sein Vermögen abgesehen? Natürlich hat sie das. Der Film tut jedoch die erste Hälfte seiner Laufzeit so, als wäre dies eine Frage voller schillernder Ambivalenz. Dass Karola etwas im Schilde führt, ist so subtil wie ein Vorschlaghammer auf einem Glastisch. Regisseur und Autor Christian Bach inszeniert die Geschichte mit dem Ernst einer Verbraucherschutzbroschüre. Jede Szene wirkt wie eine bebilderte Warnung vor „Vorsorgevollmacht in falschen Händen“. Als Karola nach einem Sturz bei dem älteren, kränkelnden Wolfgang einzieht und sein Leben „umkrempelt“, geschieht dies mit einer Konsequenz, die weniger an psychologische Manipulation erinnert als an eine Checkliste: Umfeld isolieren? Abgehakt. Medikamente kontrollieren? Natürlich. Töchter gegeneinander ausspielen? Selbstverständlich. Dabei hätte gerade in den Zwischentönen Potenzial gelegen. Désirée Nosbusch bringt als Karola eine Präsenz mit, die durchaus subtil beunruhigen könnte. Ihr Lächeln hat etwas Kühles, Berechnendes – doch der Film traut dieser Andeutung nicht. Stattdessen wird Karola früh zur eindimensionalen Femme fatale mit Medikamentencocktail. Jede Geste schreit: Achtung, hier manipuliert jemand! Das ist weniger ein Thriller als ein moralisches Kasperletheater. An ihrer Seite: Robert Hunger-Bühler als Wolfgang, der vom verliebten Hotelbekannten zum schwerkranken Pflegefall mutiert. Hunger-Bühler spielt das mit Würde, aber auch mit einer gewissen Passivität, die sich fatal auf die Dramaturgie auswirkt. Sein Wolfgang ist weniger tragische Figur als bewegliches Requisit – erst auf Krücken, dann im Bett, schließlich im Griff einer Frau, die ihn mit Tabletten ruhigstellt. Man wartet vergeblich auf einen inneren Konflikt, ein Aufbäumen, einen Moment echter Erkenntnis. Selbst die späte Einsicht wirkt wie eine dramaturgische Pflichtübung. Die Töchter, verkörpert von Picco von Groote und Bettina Burchard, dürfen misstrauisch schauen, recherchieren und verzweifelt an Türen rütteln. Ihre Nachforschungen – inklusive Treffen mit einer weiteren Opferfamilie – sollen investigative Energie vermitteln, geraten aber zur brav abgefilmten Plotmechanik. Man sieht förmlich, wie die Informationen von A nach B getragen werden, ohne dass je echte Ungewissheit aufkommt. Auch formal bleibt alles im sicheren Fahrwasser. Die Kamera von Armin Dierolf taucht die Villeninterieurs in ein gedämpftes Licht, das wohl Bedrohung suggerieren soll, aber vor allem nach gehobenem Immobilienexposé aussieht. Die Musik von Vera Maria Weber legt bedeutungsschwere Impulse unter jede vermeintlich dramatische Wendung. Doch je lauter die Musik raunt, desto deutlicher wird, wie wenig die Bilder selbst tragen. Am unangenehmsten ist jedoch die moralische Simplifizierung. «In fremden Händen» interessiert sich weniger für die psychologischen Grauzonen von Abhängigkeit, Einsamkeit und Altersangst als für eine klare Botschaft: Traue der neuen Frau nicht. Unterschreibe nichts. Prüfe Vollmachten. Das mag als Servicehinweis taugen, als Thriller ist es zu bieder und brav. So steht am Ende ein Film, der von perfider Manipulation erzählt, selbst aber erstaunlich harmlos bleibt. Er möchte erschüttern, warnt, empört sich – doch alles geschieht in der Tonlage eines erhobenen Zeigefingers. Am Ende fühlt man sich weniger wie nach einem nervenaufreibenden Drama, sondern wie nach einem langen Vortrag über Vermögensschutz im Seniorenalter. Und das ist, bei aller Tragik des Themas, vielleicht die größte Enttäuschung.