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Botswana: Entdecken Sie die unberührte Wildnis im Osten Botswanas

Der Staub schwebt wie ein zartes Tuch in der Luft, nicht übertrieben, sondern eher hartnäckig. Die frühen Morgenstunden sind frisch, doch die Sonne offenbart mit jeder Minute mehr von ihrer Kraft. Man sitzt in einem offenen Jeep, gelenkt von einem Ranger, während ein zweiter vorne auf der linken Seite der Motorhaube auf einem eigenen Platz sitzt. Der eine fährt, der andere beobachtet – so ist die Rollenverteilung. Die Fahrt über Wege, die kaum als solche zu erkennen sind, ist holprig. Nur verblasste Spuren am Boden, umrahmt von Büschen, Ästen und Gras, das den Eindruck erweckt, als hätte es sich nicht entscheiden können, ob es noch lebt oder bereits Teil der Erinnerung ist. Der Guide reduziert lediglich die Geschwindigkeit, ohne zu bremsen. Der andere hebt die Hand, neigt den Kopf zur Seite, als würde er einem unsichtbaren Gespräch lauschen. Dann zeigt er nach unten: ein Abdruck, rund, tief, die Kante klar definiert. Ein Elefant. Nicht „war hier“, sondern „ist hier“. Frisch. Eine Safari beginnt im Osten Botswanas oft genau so: nicht mit einem Panorama, sondern mit handfesten Beweisen.

Die oft übersehene Bühne Wenn man an Botswana denkt, kommt vielen sofort das Okavango-Delta im Norden in den Sinn. Das ist nachvollziehbar, doch der Osten des Landes ist die Region, die nicht wie die schimmernde Postkarte erscheint, die in vielen Köpfen automatisch auftaucht, wenn das Wort „Safari“ erwähnt wird. Im Tuli-Block, an der Grenze zu Südafrika und Simbabwe, präsentiert sich die Landschaft wie ein altes Archiv: weite Flächen, durchzogen von riesigen Felsen, aus denen erstaunlicherweise Bäume sprießen, manchmal sogar imposante Baobab-Bäume, die bis zu 1.000 Jahre alt sein sollen. Ansonsten findet man Akazien und steinige Flussbetten als Nebenstränge des Limpopo-Flusses, der das Gebiet durchquert. Hier wird „Wildnis“ nicht als „unberührt“ vermarktet, sie ist es tatsächlich. Auch wenn der Mensch punktuell Zäune errichtet, um die Renaturierung zu fördern, hat die Natur das Sagen – und das Wetter. Und wenn sich dieses ändert, geschieht es rasch.

Mehrmals am Tag besteht die Möglichkeit, auf geführten Safaris nach Giraffen Ausschau zu halten, insbesondere während der Dämmerung bei Sonnenauf- und -untergang ©Getty Images/mantaphoto/istockphoto

Plötzlich verändert sich das Licht, zunächst unauffällig, dann schnell. Der Wind dreht sich, wird intensiver und schließlich folgen starke Böen. In der Luft liegt plötzlich ein Gefühl von Erwartung, das Ehrfurcht einflößt: Gleich wird etwas geschehen. Die Tiere reagieren – Vögel ändern Höhe und Richtung, als ob unsichtbare Verkehrsschilder aufgestellt wären. Giraffen werden aufmerksamer. Ein Elefant zieht sich mit seiner Herde in die Büsche zurück, als wäre dort der beste Schutz. Wahrscheinlich ist das auch so. In Botswana ist Regen kein „schlechtes Wetter“, sondern eine Vorahnung.

In offenen Fahrzeugen fährt man durch die Landschaft, um Wildtiere zu beobachten ©Getty Images/brytta/iStockphoto

Der erste Tropfen landet auf dem Staub und verschwindet sofort, als hätte der Boden ihn verschluckt. Dann folgt ein zweiter, ein dritter. Plötzlich erfüllt ein erdiger Duft die Luft. Der Regen fällt nicht sanft, sondern in breiten, entschlossenen Strömen. Die Spuren im Boden verschwinden, Staub verwandelt sich in Schlamm, und wenn man sich gerade nicht im Camp befindet, sondern im Jeep unterwegs ist, steuert dieser mit atemberaubender Geschwindigkeit zur nächsten Unterkunft – die nur über eine Hängebrücke erreichbar ist, wenn sie am anderen Ufer des Flusses liegt. Hier beginnt das pure Abenteuer, es gibt kein Zurück, nur ein Vorwärts. Die Natur macht hier keine Zugeständnisse, in der trockenen Landschaft entsteht spürbare Bewegung.

In Botswana sind beeindruckende Baobab-Bäume zu finden, deren Stämme einen Durchmesser von bis zu zehn Metern erreichen ©Getty Images/iStockphoto/poco_bw/iStockphoto