Fußball: Verbände werfen FIFA „Täuschung“ vor

Fußballverbände werfen FIFA „Täuschung“ vor und fordern Neuanfang

Kritik an Infantinos Plänen

Die Fußballverbände von Europa (UEFA), Asien (AFC) sowie Nord- und Mittelamerika und der Karibik (Concacaf) haben in einem offenen Brief ihre Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino bekräftigt. Sie fordern einen Neuanfang an der Spitze des Weltverbandes. Der Brief wurde von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, AFC-Präsident Salman bin Ibrahim al-Chalifa und Concacaf-Präsident Victor Montagliani unterzeichnet. Alle drei sind durch ihr Amt auch Vizepräsidenten der FIFA.

In dem Schreiben wird betont, dass Führung im Fußball eine Verpflichtung zum Dienst an der Fußballfamilie sei und nicht der Besitz von Macht. Die Verbände kritisieren, dass diese Verpflichtung aufgegeben werde, wenn Vertrauen durch Täuschung gebrochen wird und sich jemand über das Kollektiv stellt, das ihn mit Verantwortung betraut hat.

Infantino steht in der Kritik, da er Rechte an den Turnieren des Weltverbandes an private Investoren verkaufen wollte. Sein Plan sah vor, dass private Investoren bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen könnten, basierend auf einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar. Die FIFA wollte demnach bis zu 4,2 Milliarden Dollar einnehmen und allen 221 FIFA-Mitgliedern eine Einmalzahlung von 20 Millionen Dollar sowie weitere Fördermittel in Aussicht stellen. Nach Empörung musste Infantino sein Vorhaben jedoch begraben, was einen Machtkampf im Fußball ausgelöst hat.

Vertrauensbruch und mögliche Konkurrenzturniere

Die Verbandschefs beziehen sich in ihrem Brief auf ein Schreiben der FIFA, in dem Fehler bei den Investorenplänen eingeräumt wurden. Sie erklären, dass die FIFA die Vorgänge als „Kommunikationsversagen“ darstelle, obwohl es sich um ein „Versagen des Urteilsvermögens“ handle, das einen „grundlegenden Vertrauensbruch“ zur Folge habe. Es fehle weiterhin die Einsicht, dass der Versuch, eine Beteiligung an der FIFA-Weltmeisterschaft zu verkaufen, ein gravierendes Fehlurteil war.

Der Alleingang Infantinos bei seinen Plänen wird scharf kritisiert. Ein Vorschlag, der in einem stark verkürzten Zeitrahmen vorangetrieben, ohne ernsthafte Konsultation erarbeitet und bis zu einer Frist angeschoben wurde, noch bevor die Mitgliedsverbände die Bedingungen angemessen prüfen konnten, sei nicht das Ergebnis eines Versehens, sondern Ausdruck eines bewussten Vorgehens, um eine Überprüfung einzuschränken.

Laut Bloomberg News, die sich auf anonyme Quellen berufen, diskutiert eine Gruppe unter UEFA-Leitung sogar neue und in Konkurrenz zur FIFA stehende Turniermöglichkeiten. Die Kritik an Infantino reicht bis zu Rücktrittsforderungen.

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Bekommt weiter tüchtig Gegenwind: Gianni Infantino.(Foto:AP Photo/Matias Delacroix) Credit: n-tv.de

Appell an die Fußballeinheit

Die drei Verbandschefs um Ceferin schlossen ihren Brief mit einem Appell an die Fußballfamilie. Sie betonen, dass die Stärke des Fußballs stets in seiner Einheit lag. Sie rufen dazu auf, diese Einheit zu wahren und für eine Führung einzustehen, die dem Fußball dient, statt ihn beherrschen zu wollen.

Trotz der gemeinsamen Kritik sind die Konföderationen, die das Vertrauen in Infantino verloren haben, nicht vollständig geeint. Einige asiatische Länder sowie Mexiko aus der Concacaf-Zone unterstützen den umstrittenen Schweizer weiterhin. Im März 2027 wird in Marokko der FIFA-Präsident für die nächsten vier Jahre gewählt, wobei Infantino bisher der einzige Kandidat ist.

Source: sport.orf.at