Gunther: Meisterpflicht im Handwerk und politische Standards hinterfragen
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Gunther: Meisterpflicht im Handwerk und politische Standards hinterfragen
Meisterpflicht im Handwerk – jedoch keine Mindeststandards für politische Einflussnahme?
In Deutschland ist es nicht gestattet, einen Friseursalon ohne einen Meisterbrief zu führen.
Meisterpflicht im Handwerk
Der Staat sichert somit die Qualität, Normen und den Schutz der Verbraucher.
Das ist verständlich.
Doch gleichzeitig ergibt sich eine weitere Fragestellung:
Politische Ämter und Standards
Weshalb existieren für führende politische Ämter keine formalen Mindeststandards?
Abgeordnete und Minister treffen Entscheidungen über Milliardenhaushalte, Energiepolitik, Migration, soziale Leistungen, Bildung und innere Sicherheit – also über Rahmenbedingungen, die mehr als 80 Millionen Menschen betreffen. Dennoch gibt es keinen verbindlichen Nachweis über fachliche Qualifikationen, keine erforderliche Berufserfahrung und keine grundlegende Qualifikationsprüfung.
Politik ist selbstverständlich kein traditioneller Ausbildungsberuf. In einer Demokratie wird Macht durch Wahlen legitimiert. Allerdings ersetzt eine Wahl nicht automatisch die erforderliche Kompetenz.
Qualifikationen für Abgeordnete
Im Handwerk ist es so:
Wer Verantwortung trägt, sollte über die erforderlichen Qualifikationen verfügen.
In der Wirtschaft wird folgendes angenommen:
Einfluss auf die Gesellschaft
Wer falsche Entscheidungen trifft, trägt die Verantwortung – zumindest im geschäftlichen Kontext.
In der Politik gibt es hingegen weder formale Zugangshürden noch persönliche Verantwortung für Fehlentwicklungen. Das mag verfassungsrechtlich nachvollziehbar sein – gesellschaftlich ist es jedoch für viele Bürger nicht mehr verständlich.
Es handelt sich hierbei nicht um spezifische Parteien oder Einzelpersonen. Vielmehr geht es um ein strukturelles Spannungsfeld:
Warum greift der Staat so detailliert in das Leben der Bürger ein –
setzt jedoch für sich selbst keine ähnlichen Maßstäbe in Bezug auf Qualität?
Wer von politischen Entscheidungen Vertrauen erwartet, sollte ebenfalls bereit sein, über grundlegende Standards zu diskutieren. Mögliche Ansätze wären beispielsweise:
• verpflichtende Einführungskurse in Staatsrecht und Finanzwesen für gewählte Vertreter
• zusätzliche berufliche Erfahrungen außerhalb der politischen Arena
• erhöhte Klarheit bezüglich der Qualifikationen
• verbesserte Verantwortlichkeitsstrukturen
Eine funktionierende Demokratie basiert auf dem Vertrauen der Bürger. Dieses Vertrauen wird nicht nur durch Wahlen gefestigt, sondern auch durch Fachkompetenz.
Vielleicht ist jetzt der richtige Moment, um die Frage direkt zu formulieren:
Reicht es, nur die Wahl zu betrachten – oder sollte man auch die Kompetenz zur Sprache bringen?